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Vom Loben

Ein Lob ist nur ein Lob, wenn es vom Pferd auch als solches empfunden wird. Doch leider ist das gar nicht so selbstverständlich, wie man meinen sollte. Immer wieder beobachte ich Situationen, in denen das Pferd von seinem Menschen gelobt wird, ohne dass ich den Eindruck habe, dass das Pferd das Lob auch als Lob empfindet.

 

Das ist fatal, denn der Mensch glaubt ja, durch sein Lob das Pferd bestätigt und ihm etwas Gutes getan zu haben. Beim Pferd ist das Lob im besten Fall gar nicht als solches angekommen, im schlimmsten Fall fand es die Handlung seines Menschen sogar unangenehm.

Beobachte ich so etwas im Unterricht, stelle ich meinem Schüler die Frage, ob er denkt, dass sein Lob vom Pferd als Lob empfunden wurde. Diese Frage versetzt die meisten natürlich erst einmal in Erstaunen, veranlasst sie dann aber, ihr Loben selbstkritisch zu hinterfragen.

 

Wie loben?

 

In der Pferdewelt werden viele unterschiedliche Arten des Lobens zelebriert. Manchmal erscheint es mir schon fast wie ein Glaubenskieg. Während die einen meinen, dass ein Wegnehmen der Hilfe bereits ein Lob ist, fühlen andere sich veranlasst, beutelweise Leckerchen ins Pferd zu stopfen. Wieder andere streicheln das Pferd mit der Hand oder Gerte, die nächsten gönnen ihrem Pferd eine Pause oder steigen ab und beenden die Einheit.

Welche Methode auch immer gewählt wird, ich denke, sie ist nur so gut, wie sie auch tatsächlich ihren Zweck erfüllt.

 

Versteht das Pferd überhaupt, warum die Hilfe gerade weggenommen wird / ein Leckerlie gegeben wird / ich mein Pferd streichle / warum ich absteige?

 

Um das herauszufinden, ist ein tiefes Einlassen auf das Pferd nötig. Leider erscheint mir das Loben stattdessen in vielen Fällen wie eine Art mechanische Handlung oder ein Automatismus, nach dem Motto viel hilft viel.

 

Wann ist ein Lob ein Lob?

 

Wenn es von Herzen kommt und zum Herzen geht.

 

Ausbildungssituationen sind oft sehr komplex. Viele Hilfen müssen gleichzeitig und optimal koordiniert gegeben werden. Wir versuchen, alles unter Kontrolle zu halten und keine Fehler zu machen. Dabei agieren wir Menschen leider nur zu schnell kopflastig und verlieren den Bezug zu unserem Herzen und zu unserer Bauchenergie. Die Pferde aber lesen unsere Herz- und Bauchenergie. Kopfenergie ist ihnen fremd.

 

Ein kopfgesteuertes Lob wird daher vom Pferd nicht unbedingt als ein Lob empfunden. Wie kann es sonst passieren, dass ein Pferd gestreichelt wird, obwohl ihm körperliche Distanz in der betreffenden Situation angenehmer wäre? Oder wenn das Pferd so fixiert auf das zu erwartende Leckerlie ist, dass es anfängt, sich nur wegen des Leckerlies zu verspannen?

 

Trauen wir uns also, uns mehr auf unser Herz und unser Gefühl zu verlassen, wenn wir mit Pferden zu tun haben. Die Pferde werden uns schon sagen, welche Art des Lobens sie mögen.

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