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Vom Vertrauen und der Liebe

 

"Der bester Beweis der Liebe ist Vertrauen"

 

Diese Worte von Joyce Brothers kommen mir beim Betrachten dieses Bildes in den Sinn. Es entstand im Rahmen eines Seminars mit Christofer Dahlgren, dass ich im März 2022 mit meiner jungen PRE-Stute besuchte.

Als Lizensierte Bent Branderup-Trainerin der Akademischen Reitkunst gehört es für mich zum Unterrichtsalltag, zwischen Mensch und Pferd zu vermitteln. Beim genauen Hinsehen zeigt sich in vielen Fällen, dass es noch gar nicht darum geht, dass der Mensch dem  Pferd etwas beibringen kann. Denn vor der Ausbildung steht immer die Partnerschaft.

Mein persönliches Ziel ist dabei immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe, in der sich beide Seiten mit Respekt, Freundschaft und in Liebe begegnen. 

 

Das gegenseitige Vertrauen ist dabei die Basis der Partnerschaft. Doch dieses Vertrauen hat es oft in sich, wie ich im Folgenden weiter erläutern werde.

In der Beziehung Mensch - Pferd geht es in viel zu vielen Fällen darum, dass der Mensch dem Pferd nicht wirklich vertraut. Das kann sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise zeigen. Hier einige Beispiele:

 

Beim Alltagshandling vom Boden aus, wenn das Pferd den Menschen zur Seite drängelt, ihn durch die Gegend zieht oder nicht mitkommen möchte. Es gibt schlecht Hufe, lässt sich nicht verladen, Spaziergänge werden zur mission impossible.

 

Bei der Bodenarbeit in der Reitbahn reißt sich das Pferd los oder kann nicht still stehen. Andere Pferde wiederum sind nervtötend triebig und zäh.

 

Unterm Sattel ist die Tempokontrolle schwierig und schnellere Gangarten werden lieber vermieden. Wie gut, dass wir in der Akademischen Reitkunst so viel im Schritt arbeiten ;). Oder das Gegenteil ist der Fall und das Pferd ist so zäh, dass bei jedem Schritt die mentale Handbremse bis zum Anschlag angezogen ist. Ausreiten geht gar nicht, und wenn, dann nur in Gesellschaft eines super zuverlässigen Begleiters. Vorausgesetzt, das Wetter stimmt, die Mondphase ist günstig und der Boxennachbar ist nicht mit dem falschen Huf aufgestanden.

 

Das sind nur einige Beispiele, wie sie mir in meinem Unterrichtsalltag immer wieder begegnen. Auf den ersten Blick geht es scheinbar darum, dass der Mensch seinem Pferd nicht vertraut. Doch ist Vertrauen hier der richtige Begriff?

 

Ich denke vielmehr, dass Angst und Kontrollzwang im Vordergrund stehen und mit Vertrauen verwechselt werden.

Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Es entsteht im wechselseitigen Miteinander. Der Mensch vertraut dem Pferd , das Pferd vertraut in den Menschen. Denn auch das Pferd muss und möchte dem Menschen vertrauen können. Das ist vielen Pferdebesitzern nicht bewusst. Sie setzen es als selbstverständlich voraus, dass das Pferd ihnen vertraut.

 

Nur, warum sollte das Pferd das tun? Würdest Du Dich einer anderen Person einfach so anvertrauen? Bestimmt nicht. Die Grundlage von Vertrauen ist persönliche Integrität und Glaubwürdigkeit. Hierbei handelt es sich um Charaktereigenschaften. Nicht um eine Position oder einen Rang oder etwas, was mit der Besitzurkunde  automatisch an die Pferdebesitzerin oder den Pferdebesitzer übergeht.

 

Wenn das Pferd dem Menschen vertrauen können soll, muss sich der Mensch dieses Vertrauen erarbeiten. Vertrauen entsteht mit der Zeit, indem beide Seiten einander besser kennen lernen und sich als gegenseitig vertrauenswürdig erweisen. Vertrauenswürdigkeit zeigt sich dann, wenn das eigene Handeln und Streben aufrichtig und wahr ist.  Damit Dein Pferd Dir vertrauen kann, musst Du ihm gegenüber klar sein. Immer und immer wieder.

 

Leider wird Klarheit oft mit Strenge oder Härte verwechselt. Klarheit bedeutet im Zusammenhang mit Pferden, dass der Mensch eindeutig in seinem Handeln und Wollen sein muss. Pferde denken, handeln und fühlen "pferdisch". Um uns Menschen verstehen zu können, muss die Kommunikation für das Pferd verständlich und eindeutig sein. Das klingt so einfach, ist es in der Realität aber oft nicht.

 

Warum sind Menschen in ihrem Tun und Wollen für das Pferd oft so uneindeutig und missverständlich? Ich denke, ein ganz wichtiger Grund liegt darin, dass der Mensch sich selber nicht vertraut. Damit bin ich beim dritten Aspekt meiner Überlegungen zum Thema Vertrauen angekommen: Wie steht es um das Vertrauen des Menschen in sich selbst?

 

Mit dieser Frage steht nur noch die eigene Person im Zentrum der Betrachtung. Das Pferd ist erst mal außen vor.

 

Ich bin Ausbilderin, keine Psychologin oder Therapeutin. Mein Ansatz ist es nicht, Menschen zu therapieren. Dazu bin ich gar nicht qualifiziert. In meiner Arbeit kann ich jedoch versuchen, meine zweibeinigen Schüler*innen darin zu ermutigen, sich zu fragen, wie sehr sie sich selbst vertrauen. Das fängt im Kleinen an. Du kannst Dich fragen, was Deine nächsten Etappenziele sind? Sind sie realistisch? Hast Du Dir einen Zeitrahmen gesetzt, in dem Du diese Etappenziele ereichen möchtest? Brauchst Du Hilfe von außen bei der Umsetzung dieser Etappenziele?

 

Hast Du in Bezug auf Dich und Dein Pferd Wünsche und Visionen? Kannst Du sie für Dich formulieren? Was würde passieren, wenn Deine Wünsche und Visionen in Erfüllung gehen? Macht Dir das insgeheim Angst? Hast Du Vertrauen in Deine eigene Größe?

 

Bist Du Dir selber eine gute Ratgeberin, ein guter Ratgeber?  Traust Du Dich, auf Deine Intuition zu hören? Oder vertraust Du eher den Ratschlägen anderer? Wenn Du Entscheidungen triffst, tust Du das eher aus dem Bauch heraus, oder sind sie vom Verstand diktiert? Bei all diesen Fragen geht es nicht um ein Richtig oder ein Falsch. Es geht nicht um ein Bewerten. Diese Fragen können Dir helfen, dass Du Dich besser verstehst.

 

Je besser Du Dich selber verstehst, umso besser kannst Du Dich Deinem Pferd verständlich machen.

 

Dein Pferd kann Dir nur so viel vertrauen, wie Du Dir selber vertraust. Du kannst deinem Pferd nur so viel vertrauen, wie Du Dir selber vertraust.

Sei auf dem Weg in Deine eigene Größe liebevoll und ehrlich zu Dir. Habe keine Angst vor Fehlern. Fehler bieten die Chance, dass wir aus ihnen lernen und uns weiter entwickeln können. Die Pferde helfen uns, indem sie ehrlich und klar unser Innerstes spiegeln. Dabei bewerten uns nicht. Für Pferde ist es völlig natürlich, mit dem authentischen Ich ihres Gegenübers zu kommunizieren. Ein anderes Ich kennen sie nicht.

 

Wie Dein Pferd begleite auch ich Dich gerne mit meinen Kompetenzen und Fähigkeiten auf Deinem Weg zur Erfüllung Deiner Wünsche und Visionen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ute Walther (Dienstag, 05 April 2022 10:33)

    Das hast Du toll geschrieben, Alex! Die Frage des Selbstvertrauens und Vertrauens zu Anderen ist mir sehr gut bekannt. Die diesbezüglichen Einschränkungen nicht mehr als unveränderlich anzusehen, hat mir und meinen Pferden sicher sehr gut getan und ich freue mich immer sehr, wenn mir etwas gelungen ist, was mich Überwindung gekostet hat. Man muss in vernünftigem Rahmen auch mal mutig sein!